Balkantour 2015 – Tag 6–Srebrenica–3.9.

Kleine Warnung vorab: Ich glaube soviel habe ich noch nie in einem Blog geschrieben. So beeindruckt und aufgewühlt war ich allerdings auch noch nie während meiner Touren. Alles gut Smiley

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So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Bosnischen Kaffee wollte ich unbedingt probieren und die Aussicht der Gelben Bastion zu erfahren – empfohlener Geheimtipp – war obligatorisch. Aber dass ich am Ende meines Sarajewo-Besuchs beides gleichzeitig genießen darf…

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Am Nachmittag nach der Rückfahrt aus Srebrenica und nach kurzer Stadtbesichtigung in Sarajewo

Ist schon der Hammer – man habe ich ein Glück, oder anders gesagt: man bin ich glücklich! Smiley

Aber nun Schluss mit dem sentimentalen Gedöse Zwinkerndes Smiley

Ich fasse nun den Bericht über Bosnien (ich lasse es mal bei dieser nicht ganz korrekten Bezeichnung) zusammen, also einen Teil des gestrigen Tages mit Ankunft in Sarajewo und den heutigen Besuch in Srebrenica.

Aber bevor es losgeht: Falls jemand eine Empfehlung für einen Besuch Bosniens (insbesondere Sarajewos) möchte: Daumen ganz weit nach oben!!!

Es ist immer noch nicht viel einfacher für mich geworden, alle bisherigen BiH-Eindrücke zu verarbeiten und in Worte zu fassen. (Bevor jemand einwendet, dass das “i” in der Abkürzung fehl am Platze wäre, weit gefehlt: “i” heißt “und” auf bosnisch, serbisch, kroatisch… , auf russisch übrigens auch, und… genug geschlaubackt! Smiley)

Ich labere hier aber auch rum! Dabei hab ich noch so viel zu tun. Macht Euch auf einen Marathon gefasst… Zwinkerndes Smiley

Also…

Am Nachmittag des 2.9. war ich nun in Bosnien und Herzegowina. Dachte ich… Unmittelbar nach der Grenze wurde ich von der Republika Srpska*) willkommen geheißen. Ach ja, stimmt, da war doch was: BiH ist ja so kompliziert strukturiert. Der Staat besteht aus 2 relativ autonomen sogenannten Entitäten (Teilstaaten), der “Föderation BiH” mit insgesamt 10 Kantonen und eben dieser “Republika Srpska”.
Immerhin gibt es so in BiH insgesamt ca. 150 Ministerien! Kompliziert, aber jetzt nicht mein Thema – zu wenig Zeit, zu wenig Ahnung…
Für den Bericht einigen wir uns auf 2 Autonomiegebiete (die Entitäten), sagen wir serbisches BiH für die Republika Srpska und bosnisches BiH für die Föderation BiH, ist zwar kompliziert, aber dafür kann ich nichts. Und wir brauchen diese Unterscheidung.

*)Gemeint ist mit Republika Srpska natürlich nicht der Staat Serbien, sondern eines der Entitäten (Teilstaaten) Bosniens, welches wir serbisches BiH nennen wollen (durch mich vereinfacht: kyrillische Schrift, hauptsächlich serbisch-orthodoxer Glaube). Zum anderen das “bosnische BiH” (lateinische Schrift, bevorzugt muslimischer Glaube). Römisch katholisch ist die vom kroatischen Bevölkerungsanteil in beiden Teilstaaten gelebte dritte Glaubensrichtung. Wikipedia:  Muslime (nach dem Zensus 1991 ca. 43,7 %, meist ethnische Bosniaken), serbisch-orthodoxe Christen (1991 ca. 31,4 %) sowie mehrheitlich kroatische römisch-katholische Christen (ca. 17,3 %)

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In der Republika Srpska: Zuerst der Name in kyrillisch dann lateinisch, das ändert sich in der Föderation BiH

Aufgefallen sind hinter der Grenze sofort der relativ schlechte Straßen- und Gebäudezustand (leider keine Fotos) gegenüber den bisher bereisten Ländern.

Was jedoch mehr überrascht: Nachdem die Republika Srpska (ca. 60 km hinter der Staatsgrenze) hinter mir lag und ich nun im bosnischen BiH ankam, war alles wieder wie im restlichen (Ost-)Europa. Gut ausgebaute Straßen, schöne Ortschaften. Im gleichen Staat solch krasse Unterschiede. Das habe ich nicht erwartet! Ist vielleicht von Vorteil, wenn die Hauptstadt des Staates BiH (Sarajewo) gleichzeitig die der Föderation BiH ist…?

Und dann war ich völlig unvorbereitet auf Folgendes:

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Dass im bosnischen BiH vorrangig Bosniaken (so werden die bosnischen Moslems genannt) leben, war mir klar. Aber dass dazu auch Moscheen gehören, die ab nun jegliches Stadt- und Dorfbild prägen, hatte ich mir so nicht vorgestellt.

Das ist vielleicht die eindrucksvollste Erfahrung  dieses Kurztrips durch BiH: die Allgegenwärtigkeit des Islam mitten in Europa und insbesondere die Tatsache, dass das nach nunmehr 1 1/2 Tagen völlig o.k. für mich ist. Ein weites Feld… Zwinkerndes Smiley

Pardon, dass ich manchmal so ausschweife, aber ich bin ganz schön bewegt. Im ausschließlich positiven Sinne!

Allgemeine Warnung: das sind natürlich nur meine sehr oberflächlichen subjektiven Eindrücke…

 

Ich versuch’s  jetzt einfach mal mit ‘ner kommentierten Foto Show

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Endlich Gebirge, davon hat Bosnien ja bekanntlich genug. Übrigens überrascht war ich über den immensen PKW- und auch LKW- Verkehr. Es scheint wirtschaftlich voranzugehen…

Mit dem Naturschutz hapert’s noch (im Folgenden 3 Fotos des selben Motivs aus unterschiedlicher Perspektive)

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Der Fluss kommt schon geil…

und zum Beweis, dass ich auch da war Zwinkerndes Smiley

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Wie schon gesagt ändert sich im bosnischen BiH die Reihenfolge der Namenschreibweise in lateinisch und danach kyrillisch, wobei letztere gleichmal (recht oft) geschwärzt wird.

 

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Zum Zeltplatz und dem Bungalow habe ich ja schon was erzählt.Hier isser…

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Und zur Feier des Tages (Übernachtung in einem echten Bett) habe ich Kati auch etwas Kosmetik gegönnt. Die (im Wortsinn) ätzenden Insekten waren danach verschwunden, Kati und mich hat’s gefreut

Nun noch schnell ein paar Eindrücke vom nächtlichen Sarajewo:

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ein wenig anders, die Straßenbahn

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Der alte Basar, Zentrum Sarajewos

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Die leckersten Cevapcici aller Zeiten (und in ganz Bosnien, wie der Kellner sagte, dafür gab’s auch gut Trinkgeld…)
Die Auswahl der „richtigen“ Cevapcinica (hiesige Bezeichnung für Cevapcici-Restaurants) fällt nicht leicht. In der muslimisch geführten Cevapcinica gibt es keine alkoholischen Getränke (also auch kein Bier), allerdings sollen die Cevapcicis besser schmecken. Ich entschied mich für die christliche Variante… 😉

 

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Hier wurde Franz Ferdinand erschossen. Das mit dem darauf folgenden Ersten Weltkrieg ist bekannt.

Sarajewo hat mich zutiefst beeindruckt, vor allem weil es so anders ist als alles was ich bisher auf meinen Touren gesehen habe. Vielleicht aber auch, weil ich allein unterwegs und (wie ich finde) wesentlich sensibler gegenüber meiner Umwelt bin…? Egal Smiley

Noch ein paar Sarajewo-Fotos vom Folgetag (nach dem Srebrenica Besuch)

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Eine andere Welt mitten in Europa – so nah und doch so fern

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Kirchen (Mitte: serbisch-orthodox, re. vorn: katholisch) und Moschee dicht beisammen

Sarajewo wurde vor dem unsäglichen Krieg auch Jerusalem des Nordens genannt, wegen der vielen gemeinsam auf engstem Raum friedlich zusammenlebenden Religionen. Ich habe die sehr bescheidene und auf subjektiven Eindrücken basierende  Hoffnung, dass das wieder so wird…!!! Smiley

Am Abend danach:

P1000763nur zur Prophylaxe, eigentlich sollten die Sachen reichen. Aber: besser haben als brauchen…

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Jetzt könnt Ihr Pause machen, wenn Ihr wollt. Gewissermaßen folgt jetzt der 2. Teil des 2. Teils, nämlich der Bericht vom 3.9. – Srebrenica – zum Teil harter Tobak

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Alles nur für Euch – so zeitig arbeite ich ausschließlich im Urlaub

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Das inkludierte Frühstück war sehr lecker und gehaltvoll

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Eine Wachhund habe ich nun auch gratis

Der Plan für heute war entspannt, was den zeitlichen Verlauf anbelangt. Srebrenica und zurück – als Tagestour mit ca. 300 km eher angenehm kurz, danach nochmal Sarajewos Altstadt, diesmal im Hellen. Also los geht’s…

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Landschaft ist allgegenwärtig schön…

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Sehr bizarr:

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Und wiederrum sehr beeindruckend:

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In BiH kommt man wieder gemeinsam gut miteinander aus

Srebrenica…

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…wieder mal der Kloß im Hals. Ein Genozid mitten in Europa. Gerade mal 20 Jahre sind seitdem vergangen. Ich konnte an einer Führung teilnehmen. Unbeschreiblich das Gefühl, als der Guide auf die Frage, wie er das überlebt hat, antwortet: Ich hatte Glück… Er war damals 13. Das jüngste Opfer war 11

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Alle bekannten Opfer sind namentlich erfasst

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Muslimische Grabsteine, einer für jedes identifizierte Opfer

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4 thoughts on “Balkantour 2015 – Tag 6–Srebrenica–3.9.

  1. Josi

    Sehr beeindruckend. Das letzte Foto sagt mehr als tausend Worte… (ich weiß, das klingt abgedroschen, stimmt aber in diesem Fall) Danke dafür!

  2. Bernd

    Beklemmende aber beeindruckende Bilder, deine Schilderung der Zustände über das aufkeimende wieder friedliche Zusammenleben der Religionen nimmt einen mit, gerade auch wegen der Ereignisse die in diesen Tagen in Europa passieren! Ist die Flüchtlingswelle für Dich und die Leute mit denen Du in Bosnien sprichst eigentlich ein Thema? In Budapest bist Du ja am Brennpunkt des Geschehens vorbei gefahren. Deine Euphorie für dieses Land ist so ansteckend, dass wir uns das wohl auch als WOWA -Fahrer für die nächsten Jahre vornehmen werden. Ich glaube, durch diese Art des Reisens ein Land und seine Menschen kennenzulernen, ist auch, zumindestens für uns, das Richtige. Liebe Grüße Bernd

  3. Ralf

    Ich kann mich den oben geschriebenen Komentaren nur anschließen, außer mit dem Motorad auch mal dort hin zu fahren. Habe keins 🙁

  4. Rigo

    Die gleiche Faszination hatte es in mir auf unserer Balkantour 2013 mit der „Splittergruppe“ (ein Insider ;)) auch ausgelöst. Nicht die Adria, auch nicht Dubrovnik begeisterten mich so sehr wie die wunderschöne Stadt Mostar (BiH). Drei Religionen miteinander lebend – das sieht man wirklich selten. Auch der damalige Krieg ist dort allgegenwärtig, unendliche Einschusslöcher in sehr vielen Gebäuden. Und das Geschwärzte auf den Wegweisern ist mir extremst aufgefallen. Und das will schon was heißen bei meinem verträumten Blick auf die Straßenführung ;). Übrigens ärgert sich Michi immer noch, dass er in der besagten Stadt keine Panerai (sehr gute Replica) gekauft hat (nur so am Rande die Info an Frank ;)).

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