Balkantour 2015 – Tag 8–Albanien-Rijeka Schleife–Kotor–5.9.

Nun sitze ich um 21 Uhr in einer Gaststäte (heute gönne ich mir was Gutes, hab’s mir verdient) in der Bucht von Kotor und bin geschafft. Seit ca. 7.15 Uhr bin ich unterwegs und gegen 19.30 hier auf dem Zeltplatz angekommen, um mal ein wenig staunenden Respekt zu provozieren Zwinkerndes Smiley Apropos Respekt: ich habe Stand gerade 3600 km auf dem Tripzähler. Und die waren heute nicht einfach vollzukriegen. Dreimal musste ich umkehren, zweimal ohne, einmal mit eigener Schuld.
Genaugenommen habe ich natürlich immer selbst Schuld. Es ist eine Besonderheit, keinem außer sich selbst  die Schuld geben zu können, wenn man allein unterwegs ist, aber eine sehr lehrreiche.  Zwinkerndes Smiley

Das Motto des Tages lieferte gewissermaßen die offizielle Typenbezeichnung meiner Kati: Adventure!

Um es vorwegzunehmen: ich war in Albanien, aber nicht lange. Ich musste aufgeben und umkehren. Eine neue Erfahrung!

Da ich wegen der fortgeschrittenen Zeit nicht weiß, wie weit ich mit dem Bericht komme, aber gerade Wlan habe, lade ich die “Einleitung” jetzt hoch. Die Fotos mit Kommentaren folgen…

Ein Foto gibt’s aber schon, das von meiner Belohnung:

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Smiley

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Fortsetzung am nächsten Morgen (6.9.):

Gerade bin ich aufgestanden (gegen 6.45 Uhr mal zu einer christlichen Zeit) und in der Adria Baden gewesen. Da ich mein südlichstes Ziel erreicht habe, es jetzt mehr oder weniger gen Norden geht und ich gut in der Zeit liege, gönne ich mir mal etwas Müßiggang Smiley

Also zum gestrigen Tag:

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Mein Zimmer…

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…mein Frühstück. So kann der Tag beginnen Smiley

Diese Unterkunft darf sich “EKO DOM”, also ökologisches Haus, nennen. EKO – nur zur Wissensvermittlung – ist wohl in Montenegro das Wort der Stunde. Wie ich während der Reisevorbereitung bei Phönix TV erfuhr und meine Gastgeber bestätigten, setzt die montenegrinische Regierung auf Nachhaltigkeit, u.a. auch um den Tourismus als Hauptwirtschaftszweig zu entwickeln. Bei Einhaltung gewisser Kriterien unterstützt der Staat private Initiativen, die dann mit EKO werben dürfen. Die “KTM-Basis” aus den Bergen war übrigens auch EKO.

Ich hatte im Übrigen den Eindruck, dass sich im Lande sehr viel tut. Je näher man der Adria kommt, umso mehr bemerkt man den Aufschwung. Überall wurde und wird gebaut.

Am weitesten vorn ist diesbezüglich die Bucht von Kotor. Es wird, denke ich, nicht mehr lange dauern, bis Montenegro eines DER Urlaubsländer Europas werden wird und die Bucht von Kotor einer DER Hotspots.

Übrigens heißt Montenegro ja eigentlich Crna Gora, der schwarze Berg. Das italienische Wort Montenegro als offizielle Staatsbezeichnung wurde vom Parlament deshalb gewählt, weil’s für die übrige (Touristen)Welt besser klingt. Tatsache!

Nun aber zu meinem Abenteuer.

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Noch nicht spektakulär, aber schön schwarz endlich, die Berge – kurz nach der Abfahrt Richtung Albanien

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Eine Möglichkeit wäre, das Geröll wegzuräumen, die andere ist die Verbreiterung der Straße…

Gusinje ist ein montenegrinischer Grenzort an der albanischen Grenze. Das Städtchen wurde mir wegen des orientalischen Flairs empfohlen. Na ja, an Sarajewo kommt’s nicht ran…

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Hier läuft die Zeit noch anders.

Dennoch war ich überrascht, Moscheen zu sehen. Das erste mal in Montenegro. Ich dachte, es läge an der Nähe zu Albanien. Aber das erste religiöse Bauwerk in Albanien war eine Kirche. Lassen wir das erst mal so stehen…

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Aber soweit sind wir noch nicht Zwinkerndes Smiley

In Gusinje gab ich die Route über Albanien in mein Navi ein und musste mit Schrecken feststellen, dass in Albanien die Routenführung nicht funktionierte. Die nächsten 100 Kilometer sollte nur eine Richtungsangabe auf dem Navi meine Orientierung sein. Aber wenn ich schon hier war, wollte ich es versuchen.

Die erste Herausforderung, nämlich die Grenze zu finden, bewältigte ich durch Kommunikation mit den Einheimischen.

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Das ist doch mal ne Grenze (Ausreise Montenegro). Der Schlagbaum wurde dann mit Muskelkraft für mich gehoben.

Selbiges auf der albanischen Seite:

P1000970Gleich hinter dieser Rechtskurve endete der Asphalt:

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Oh je, das geht gut los. Allerdings war die Straße weitere 500m weiter bestens asphaltiert. Hoffnung keimte auf, hielt aber nicht lange. Der Asphalt reichte nur ein paar Kilometer. Aber ich wollte nicht aufgeben! Musste es aber an dieser Stelle vorerst, da die Straße irgendwo in diesem ausgetrockneten Flussbett weiterverlaufen sollte:

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Also fragte ich einen Dorfbewohner nach der Straße nach Skoter (das war mein Ziel am gleichnamigen See – auf deutsch Skutari See, der größte Binnensee des Balkans). Wieder mal keimte Hoffnung auf, als er mir bedeutete umzukehren und dann nach rechts abzubiegen. Phuhh… Mal sehen…

Ich fand die “Straße”. Nach 2 Kilometern in 10 Minuten auf übelster Schotterpiste stellte ich folgende Überlegung an:

Pro: Skutari See umfahren

Contra:
– möglicherweise weitere 100 km Schotterpiste in dieser Geschwindigkeit, also ungefähre Dauer 2 Tage
– ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko
– die Straßenbereifung hält das vielleicht nicht durch
– Regen war angekündigt
– genau genommen keine Orientierung
– Andere fahren auf Schotter besser

Also stand die Entscheidung fest: Aufgeben mit einem Tränchen im Auge, einem kleinen Zwinkerndes SmileyP1000982
Hier machte ich kehrt. Das ist übrigens kein Waldweg. Die “Straße” hat die offizielle Bezeichnung SH20! Mittlerweile weiß ich durch Google-Recherche, dass sehr oft das Attribut “berüchtigt” im Zusammenhang mit der SH20 gebraucht wird…

Die Grenzbeamten wunderte es wenig, dass ich nach ca. 1 Stunde wieder zurück wollte. Sicher bin ich nicht der Einzige, der sich nicht richtig vorbereitet oder vielleicht überschätzt. Der albanische Beamte winkte mich gleich durch, der in Montenegro musste mich und das Motorrad ja wieder registrieren, damit wir im Land keinen Unfug anstellen.

Nun gut, jetzt hieß es, ca. 60 Kilometer die selbe Strecke wieder zurückzufahren.

Es sollte nicht sein, war aber trotzdem eine geile Sache Smiley Jetzt hatte ich mich entschieden und konnte mich auf die beiden Highlights des Tages (“Rijeka-Schleife und Nijegos-Mausoleum) freuen. Und was ist gegen 60 zusätzliche Asphaltkilometer im Gebirge einzuwenden? 😉

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Der Vitaminstoß war nötig!

Unterwegs Richtung Rijeka Schleife:

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Wenn der einem in einer Kurve begegnet… Mit der eigenen Straßenhälfte nehmen’s die Einheimischen nicht sehr genau. Ein paar mal Vollbremsung bis zum Stillstand mussten schon sein. Aber wie heißt es: Augen auf im Straßenverkehr

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Podgorica, die Hauptstadt, habe ich nur tangiert – vielleicht ein nächstes mal

Dann erhaschte ich einen ersten Blick auf die Schleife des Rijeka Crnojevica

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Und kurz darauf erschien meine visuelle Reisemotivation der letzten Wochen und südlichster Punkt meiner Reise in voller Pracht direkt vor der Kameralinse. Im Hintergrund doch noch der (nicht umrundete) Skutari-See. Das ist mal wieder ein Erlebnis.  Ich stehe nur da und finde mich irgendwie geil Smiley

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Da kann die Saarschleife nicht ganz mithalten

Im gleichnamigen Örtchen Rijeka Crnojevica genoss ich noch eine Erfrischung und dann ging es weiter Richtung Kotor.P1010020

Für die Interessierten: Rijeka-Schleife heißt wörtlich übersetzt nichts weiter als Flussschleife (Rijeka=der Fluss). Richtig müsste es heißen Crnojevica-Schleife. Weil aber offenbar der Name des Flusses Crnojevica schwierig auszusprechen ist, hat sich in den Reiseführern dieser eigentlich nichtsagende Name durchgesetzt: Flussschleife. Als ob’s bloß die eine gäbe. Genug!

 

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Das ist doch mal eine gelungene Straßenplanung. Ich bin nicht abgebogen…

Nun aber schnell. Das Mausoleum des Dichter-Fürsten Nijegos wollte ich mir ansehen. Imposant auf einer 1600 m hohen Bergspitze im Lovcen Gebirge gelegen, reizte mich der Aufstieg sehr. Nijegos ist wohl der bedeutendste Dichter des serbischen Sprachraumes (Wikipedia und Fernsehreportage auf Youtube  in Vorbereitung der Reise)

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Auf dem Weg hinauf konnte ich schon einen Blick auf die Bucht von Kotor erhaschen. Leider hat sich der Himmel etwas zugezogen.

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Vom Parkplatz aus sind es noch über 400 Stufen bis zum Mausoleum. Der Weg führt durch diesen Tunnel im Berg.

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Die Stufen nahm ich auf mich.

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Blick von oben…

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…und in das Mausoleum. Schon beeindruckend, ein Bauwerk in solcher Lage…

Nun aber schnell in die Bucht, es wird spät. Spektakulär ist die Abfahrt von ca. 1600 m auf Höhe Meeresspiegel. Eine der tollsten Panoramastraßen, die ich je erfuhr,  führt in langgezogenen Serpentinen in die Bucht hinunter. Leider wurde es langsam dunkel.

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Eine kurze Fährfahrt und dann hatte ich es geschafft.

Ankunft auf dem Zeltplatz Naluka  (Empfehlung eines holländischen Fahrradfahrers auf dem höchsten Punkt meiner Reise vor ein paar Tagen, auf 1900 m Höhe im Durmitor Gebirge – war das eine lange Beschreibung der Empfehlungsgabe…) und das erste mal Aufbau im DunkelnP1010096

War das ein Tag! Smiley

So, nun muss ich mich ranhalten. Ist schon 9.30 Uhr, um 11 muss ich auschecken und mir vorher noch überlegen, wo es heute hingehen soll… Zwinkerndes Smiley

Die gefahrene Strecke, immerhin auch etwas Albanien inklusive…

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3 thoughts on “Balkantour 2015 – Tag 8–Albanien-Rijeka Schleife–Kotor–5.9.

  1. Thomas Richter

    Sanno der Philosoph

  2. sven

    Habe dich jeden Tag verfolgt, du alte sau, Respekt!!!!!
    Jetzt warst du doch vor mir in Albanien. Wäre gern mitkommen! Wir sprechen uns noch! Komm gut nach Hause!
    LG Sven

  3. Alex

    Hey Frank,

    hab irgendwie erst unter der falschen Tour gepostet,naja ist das erste mal hier bei Dir ;-).Bin heute erst dazu gekommen,deine Berichte zu lesen. Absolut faszinierend! Bin begeistert und bekomme so langsam eine Idee für meine Tour nächstes Jahr. Wünsche Dir noch viel Spaß bei Deinem Abenteuer! Wir quatschen, wenn Du wieder da bist. Bis dahin…VG Alex

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